Form follows fiction

Wir sitzen bei einer Tasse dünn schmeckendem Kaffee in der Lounge einer Gründer-Konferenz in Berlin. Mir gegenüber hockt ein junger Mann im blauen Anzug, etwa Anfang 30, und erzählt mir, er stecke gerade in der Gründungsphase. In zwei Sätzen beschreibt er mir seine Geschäftsidee, dann kommt der Satz, den ich schon fast erwartet habe: „Mit dem Logo komme ich nicht weiter. Ich brauche es dringend, um meine Website an den Start zu bringen. Irgendeine Idee?“

Meiner Erfahrung nach taucht das Wort „Logo“ spätestens im vierten Satz eines solchen Gesprächs auf. Es ist ein bisschen so wie bei einer Schüler-Band: Bevor man einen Akkord geschlagen, eine Zeile getextet, geschweige einen Song komponiert hat, sitzt man Stunden um Stunden im Proberaum und philosophiert über den Bandnamen. Das Bedürfnis, das sich dahinter verbirgt, ist klar, endlich möchte man etwas Handfestes sehen. Der erste Schritt bei einer Unternehmensgründung sollte aber immer dein Business-Plan sein beziehungsweise deine Geschäftsidee. Und eine gute Geschäftsidee hat immer eine Geschichte, eine Art Fiktion und Vision. Also anders ausgedrückt: Erst die Fiktion, dann die Form. Werden wir konkreter.

Aufgehende Sonne oder Arschgeweih?

Vor zwei Wochen unterhielt ich mich mit einer Gründerin, die sich als virtuelle Assistentin selbstständig machen will. Als Logo wählte sie eine aufgehende Sonne, da sie genau dieses Motiv als Tattoo auf ihrer Schulter trägt. Da stellte ich mir schmunzelnd die Frage: Wie sähe ihr Logo wohl aus, wenn sie ein Arschgeweih besitzt?

Ein junger Gründer erzählte mir auf einer Konferenz, sein Logo müsse Möwen enthalten, da er sich am Meer zu Hause fühle. Hilfe! Was hat das mit seinem Geschäft zu tun? Genauso gut könnte er seinen Hund als Logo wählen oder sein Meerschweinchen aus Kindheitstagen, da es in ihm glückliche Erinnerungen hervorruft. In ihm – aber nicht bei seinen späteren Kunden.

Dein Logo schmeckt nach Made?

Wenn dein Logo nicht hundertprozentig deinen Geschmack trifft, macht das erst einmal nichts. Denn wie heißt es so schön, der Köder muss dem Fisch schmecken – und nicht dem Angler. Logos sind Kommunikationsmittel, die verkaufen sollen.! Punkt. Ausrufezeichen. Klar, darf es auch Dir gefallen – sofern deine Zielgruppe und Du ähnlich ticken. Ein Logo macht plakativ oder subtil klar, was sich hinter deinem Produkt oder deiner Dienstleistung versteckt. Ein guter Verkäufer ist immer gut vorbereitet, arbeitet präzise und kennt sein Produkt besser als die Innentasche seines Anzugs. Ergo: Eine Logo-Entwicklung will gut durchdacht und gut gemacht sein. Aber nicht Du oder deine beste Freundin sind der Maßstab, sondern deine Zielgruppe. Warum?

Du hast 2 Sekunden – nutze Sie

Gutes Design ist heute wichtiger als jemals zuvor. Der Grund: Na klar, das Internet.

Die Aufmerksamkeitsspanne eines typischen Users ist geringer als die eines Goldfisches.

Kein Witz, darüber gibt es zig Untersuchungen.

Nana Kuckuck sucht eine Fitness-App, googelt, findet deine Seite, klickt auf den Link und sieht – einen schlafenden Hund als Logo. Das blinkt auch noch. Die schlafende Luna, dein Golden Retriever, ist aber auch zu süß. Dazu baut sich die Seite noch erschreckend langsam auf. Nana sagt „Tschüss“, bevor sie überhaupt weiß, was Du anbietest. In der Regel entscheiden User nach zwei Sekunden, ob sie auf der Seite bleiben oder nicht. In den zwei Sekunden nehmen Sie zu 90 % Bilder wie das Logo und den allgemeinen Gestaltungsrahmen der Website wahr.

Dein Logo und dein Design sind meist dein erster Kundenkontakt auf der Website oder als Flyer. Wie heißt es in jedem Business-Handbuch:

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

Spare nicht am ersten Eindruck

Was ich klar machen will, gehe zu Profis, wenn es um deine Kommunikation geht.

Viele kostenlose Tools verführen zum Do-it-yourself und außerdem wimmelt es im Netz von billigen Dienstleistern, die aber halt billig und nicht preisgünstig sind.

Wenn Du billigst erscheinen willst, nur zu.

Aber wie wählst Du den richtigen Dienstleister aus?

  1. Gutes Design kostet gutes Geld!
    Was uns bei der Wahl unseres Gemüses oder dem Fleisch beim Metzger klar ist, Qualität hat ihren Preis, verliert bei der Wahl des Designers plötzlich vollkommen an Bedeutung. In vielen Business-Plänen, die mir unter die Augen kommen, steht Logo unter „Sonstiges“. Die Kalkulation läuft etwa so: „Mmh, sagen wir mal 300 Euro für Logo-Entwicklung. Muss hinhauen.“ Tipp: Wenn ein guter Freund Dir sagt, er kenne jemanden, der Dir ein Logo für 300 Euro hinzaubert, dann sage ihm, Du magst ihn, auch wenn seine Ratschläge haarsträubend sind. Für 300 Euro kann sich niemand mit deiner Zielgruppe auseinandersetzen und Ideen entwickeln.
  1. Programmierer sind keine Designer.
    Einige Webdesign-Entwickler tun aber so. „Logo und Design gibt’s bei uns obendrauf. Kein Problem.“ Nicht von ungefähr sind Grafikdesign und Webprogrammierung verschiedene Berufszweige. Oft denken diese beiden Gruppe auf sehr unterschiedliche Weise. Also suche Dir einen Designer, wenn Du Dir keine Full-Service-Agentur leisten willst oder kannst.
  1. Schreiben kannst Du wahrscheinlich – texten nicht.
    Gerade Online-Texte folgen bestimmten Regeln, die man nur durch Wissen, Übung und Talent beherrscht. Das Gleiche gilt für verkaufsstarke Texte.
  1. Fiverr ist keine Anlaufstelle für hochwertigen Content oder faszinierendes Design.
    Wenn Dir jemand „Superior Logo Design“ für 5 Euro anbietet, dann hat es seinen Grund, warum er es auf so einer Plattform und für den Preis tut. Entweder verkauft er das gleiche Produkt hundertfach oder er ist kein Profi. Beides zeigt, deine Kunden interessieren ihn nicht die Bohne.
  1. Egal, ob Du nun einen Grafiker brauchst, Text einkaufen willst oder einen Programmierer suchst, gehe nicht zu Programmiergrafischenenkonzeptionsschreiberlingen, sondern suche jeweils Spezialisten. Kennst Du einen Lieferservice, der italienische, mexikanische, türkische, thailändische und deutsche Küche plus Burger gleichzeitig anbietet, und Dir sinnliche Gaumenfreuden bereitet? Wenn ja, bitte bei mir melden.

An der richtigen Stelle sparen

Als ich dies dem jungen Mann beim Kaffeetrinken auf der Gründer-Konferenz so oder so ähnlich sagte, meinte er: „Die Gründung kostet mich jetzt schon eine Stange Geld. Ich kann mir keinen Grafiker und Texter leisten.“

„Doch! Du musst sogar“, antwortete ich. Ich riet ihm, andere Positionen zu überdenken. Muss man wirklich neue Möbel kaufen oder tun nicht auch gebrauchte? Brauchst Du einen Firmenwagen oder reicht vielleicht ein Leihwagen? Braucht jeder Mitarbeiter ein MacBook Pro, weil es so cool ist, oder lässt sich die IT nicht bedarfsgerechter skalieren? Kannst Du die Kommunikationsmaßnahmen vielleicht Schritt für Schritt realisieren? Es gibt bessere Sparstellschrauben als beim Firmenauftritt. Plane eine realistische Summe in deinem Business-Plan ein – dein Banker wird es Dir danken, da er daran einen Profi erkennt.

Denke immer daran, deine erste Begegnung muss ein WOW auslösen und/oder deine Zielgruppe sofort berühren und ansprechen. Eine zweite Begegnung gibt es sonst meist nicht.

Wie habe ich das gemacht?

Seit einiger Zeit arbeitete ich mit Freelancern. Das hat Vor- und Nachteile. Aber mittlerweile habe ich ein festes Team aufgebaut, das sich auch untereinander kennt.

Trotzdem als Tipp, wenn Du mit unterschiedlichen Experten zusammenarbeitet – und nicht alles einer Agentur abgibst – benötigst Du unbedingt einen Projektleiter, der die Seilenden zusammenführt.

Glaube nicht, Du kannst das übernehmen. Diesen Fehler habe ich auch gemacht und bin das eine oder andere Mal verzweifelt. Gerade in der Gründungsphase hast Du so viele umsatzrelevanten Aufgaben an der Backe, da bleibt keine Zeit für Projektleitung.

So, nun zu meiner Vorgehensweise und meinem Team:

  • Die Grafik – auch für diesen Blog – macht eine Berliner Grafikerin, Kris Braun.
  • Die Designs für mein Unternehmen übersetzt Dennis Hessenbruch in Code, sprich, er baut die Websites auf, kümmert sich um die Seite, bindet das Newsletter-Tool an und wertet die Seite aus.
  • Jens Hüttenberger schleift bei der Founder Diary meine Texte und schreibt sonst verkaufsstarke Texte.
  • Geht es um Markenbildung und digitale Markenführung konsultiere ich den Markenrebell Norman Glaser.
  • Und brauche ich verstärkte Marketing-Kompetenz, greife ich auf Patrick Baumann und seine Agentur Flüstertüte zurück. Er setzt übrigens auch Kris Design für diesen Blog in WordPress um.

Die Kontaktdaten findest Du am Ende dieses Artikels.

Nutzungsrechte und Pauschalen

Noch ein wichtiger Tipp: Von den Mädels und Jungs lasse ich mir die uneingeschränkten Nutzungsrechte geben. Nichts ist ärgerlicher, als gerichtliche Zänkereien, wer nun wie und wo einen Text, ein Bild oder eine Grafik nutzen darf. Und: Achte auf Pauschal-Angebote und nicht auf Zeit – sofern das geht. Denn Du zahlst für das Ergebnis, für das Wow und Ooooh und nicht für Stunden, die jemand dafür benötigt.

Auf einen Espresso

Das Wichtigste für den Erfolg deines Geschäfts ist deine Geschäftsidee. Deine Kommunikation sollte diese widerspiegeln. Form folgt dieser Idee, dieser Geschichte. Bei der Umsetzung der Form solltest Du unbedingt auf Profis zurückgreifen, auch wenn diese am Anfang Geld kosten. Alles andere kommt Dir nämlich auf lange Sicht teurer zu stehen.

Meine Kommunikations-Partner

Foto auf dieser Seite: Grafissimo by istock

TAGEBUCHSCHREIBER

Selbstständigkeit ist wie eine Kirmes: laut, bunt und wild. Auf der Kirmes brauchst Du keinen blauen Zweireiher, schwarze Kostüme und dubiose Ratgeber.

Aber einen guten Begleiter, den brauchst Du auf der Kirmes. Einer, der Dir zeigt, was sich lohnt, was nur Neppbuden sind und der Dich unterhält.

So ein Begleiter ist Founders-Diary, der Blog für Gründer und Start-ups. Aufgezeichnet von Tariq, selbst seit Jahren Unternehmer.

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