Nation der Fußballtrainer

Wir sind eine Nation von Fußballtrainern. So sagt man. Bei jedem Spiel „Der Mannschaft“ diskutieren wir eifrig, wer auf dem Platz stehen sollte, ob wir mit Dreier- oder Vierer-Kette spielen werden und warum Thomas Müller seine beste Zeit hinter sich hat. Wir sind aber genauso gut eine Nation von Unternehmensberatern. Also von selbst ernannten. Oder zusammengefasst: Wir sind eine Nation von Besserwissern. Nicht von Machern.

Du bist aber anders, Du machst. Du bist Gründer, Unternehmer, deswegen musst Du Dir so einiges in Deinem Alltag anhören. Nur wie gehst Du damit um?

Opas Freude am Scheitern

Du kennst das Phänomen wahrscheinlich. Du stehst mit einer Flasche Bier am Grill und erzählst Deinem Onkel Horst von Deiner Geschäftsidee und dass Du sie nun endlich umsetzen willst. Horsts erste Antwort: „Ist das nicht riskant, mein Junge? Als Angestellter kannst Du das auch machen. Und eine sichere Rente hast Du obendrein.“

Ins Gespräch schaltet sich Opa Willi ein: „Du musst Dir doch nur die Bäckerei Schmitz anschauen. Seit der Senior weg ist und der Junge plötzlich die Bäckerei in ein Café umgebaut hat, mit so komischer elektronischer Musik und – wie heißt das – W-LAHM, gebe ich ihm noch drei Monate.“

Der Nachbar Klaus, gerade mit einer 60 Cent teuren Aldi-Wurst beschäftigt, geht direkt in die Vollen: „Guckt Dir Air Berlin an. Milliarden vom Staat und trotzdem in die Pleite. Als Kleiner hat man heute keine Chance mehr. Die großen Fische fressen die kleinen. So ist das halt. Suche Dir lieber einen Hai und schließe Dich ihm an.“ Horst und Willi nicken eifrig und raten Dir, die Selbstständigkeit vor ihrer Geburt zu begraben.

Wie antwortest Du auf diese vermeintlichen Unternehmensberater?

Am einfachsten mit Gegenfragen:

„Klaus, Du scheinst ja Experte in Sachen veganer und gesunder Ernährung zu sein. Warum glaubst Du, dass meine Vegan-Finder-App nicht funktioniert?“

„Opa, wie lange warst Du selbstständig in Deinem Leben? Gar nicht? Ach so.“

„Horst, Du hast doch als Buchhalter gearbeitet. Gerne kannst Du mir umsonst eine Kosten-Nutzenrechnung erstellen?!“

Natürlich kannst Du auch kommentarlos gehen.

Ich weiß, das klingt alles sehr grob. Aber sind die Einwände dieser „Experten“ nicht auch verletzend? Du begibst Dich auf eine Mission, und die lässt Du Dir von niemandem schlechtreden. Gerade in der Gründungsphase brauchst Du positive Gedanken.

Wiederkehrende Motive kann ich bei diesen Menschen ausmachen:

  • Ahnungslosigkeit oder Halbwissen
  • Freude am Scheitern der anderen
  • Feigheit und dadurch Unzufriedenheit
  • Dienst-nach-Vorschrift-Mentalität

Denn diese Leute lästern nicht nur gegen Selbstständige, sondern auch gegen Angestellte, die über den Tellerrand hinausschauen und sich über das vertraglich Festgelegte engagieren.

Ein weiteres Phänomen dieser Menschen ist, ihre Einwände sind selten konstruktiv und wenig konkret. Gerne geben sie gute Ratschläge allgemeiner Natur. Sie lassen sich immer dann aus, wenn sie selbst nicht in der Verantwortung stehen. Deswegen ist ihr Lieblingskritikerplatz die Couch vor dem Fernseher oder der Grill. Fragst Du allerdings nach einer sehr direkten Hilfe, herrscht Schweigen im Walde. Solche Unternehmensberater braucht kein Mensch.

Daher mein Tipp und meine Herangehensweise:

  • Gutwilligen, aber unwissenden „Beratern“ sage ich freundlich, dass ich ihre Gesellschaft sehr schätze, ihre Expertise zu meinem Geschäftsmodell aber nicht.
  • Freunden und Familienmitgliedern stelle ich meine Geschäftsidee en détail vor. Ich wünsche mir von ihnen moralische Unterstützung, aber keine geschäftliche Beratung (außer sie ist sehr konkret).
  • Menschen, die Freude daran haben, andere scheitern zu sehen, die ignoriere ich und gehe ihnen aus dem Weg.

Schließlich benötige ich meine Energie für mein Geschäft. Ich habe keine Zeit und keinen Saft, mich mit negativen Menschen auseinanderzusetzen.

Foto: RapidEye by iStock

TAGEBUCHSCHREIBER

Selbstständigkeit ist wie eine Kirmes: laut, bunt und wild. Auf der Kirmes brauchst Du keinen blauen Zweireiher, schwarze Kostüme und dubiose Ratgeber.

Aber einen guten Begleiter, den brauchst Du auf der Kirmes. Einer, der Dir zeigt, was sich lohnt, was nur Neppbuden sind und der Dich unterhält.

So ein Begleiter ist Founders-Diary, der Blog für Gründer und Start-ups. Aufgezeichnet von Tariq, selbst seit Jahren Unternehmer.

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